warschau-zitadelle

X. Pavillon der Warschauer Zitadelle / Museum


Standort

zitadelle-warschau
Modell des Zitadellen-Geländes in Warschau / Walking Poland on flickr [CC BY-SA 2.0]

Dieses Museum befindet sich ,wie auch das Katyń-Museum, auf dem Gelände der Warschauer Zitadelle. Der Eingang befindet sich auf der Ostseite an der Wybrzeże-Gdyńskie-Straße, welche von den Warschauern schlicht Weichselautobahn (polnisch Wisłostrada) genannt wird.

Wenn Sie das Eingangstor in der Czujna-Straße überqueren, befindet sich das Museumsgebäude auf Ihrer Linken auf einer Anhöhe. Sie befinden sich nun innerhalb der Mauern der Warschauer Zitadelle, welche Etappenweise im 19. Jahrhundert erbaut worden war. Die Zitadelle sollte nicht nur die Festung Warschau stärken, sondern auch die Strafe für den Novemberaufstand von 1830/1831 sein. Der Befehl des Zaren lautete, dass im Umkreis von 500 Metern keine zivile Bebauung stattfinden dürfe und dass die Altstadt bei erneuten Unruhen zerstört werden solle. Diese Befehle hatten bis 1915 Gültigkeit, als die Russen Warschau verließen und die Provinzhauptstadt den Preußen überließen. Vom Zentrum ist das Museum ca. 30 Minuten mit der U-Bahn und Bus entfernt.

Über das Museum

warschau-zitadelle
Guckloch zur Zelle im Gefängnis der Warschauer Zitadelle / Walking Poland on flickr [CC BY-SA 2.0]

Formell ist das Museum eine Filiale des Unabhängigkeitsmuseums, welches sich in der Nähe der Altstadt befindet.

Im X. Pavillon befand sich ein Gefängnis, in welchem bis 1918 mehr als 40.000 Freiheitskämpfer festgehalten wurden. Viele von ihnen wurden gefoltert und/oder an der Zitadellenmauer ermordet. Diesen Männern und einigen wenigen Frauen ist dieses Museum gewidmet und soll daran erinnern, wieviel Blut vergoßen werden musste für die Freiheit aller Polen. Am 11. November 1918 ist die 2. Polnische Republik -Rzeczpospolita – ins Leben gerufen worden.

Auf der langen Liste der Gefangenen befinden sich u.a. Apollo Korzeniowski, Romuald Traugutt, Józef Piłsudski, Roman Dmowski, Gustaw Ehrenberg, Pfarrer Piotr Ściegienny, Stefan Okrzeja oder Włądysław Jabłonowski. Für die Polen sind das Namen der höchsten Rangordnung, sofern es um den Freiheitskampf gegen die russische Besatzung im 19. Jahrhundert geht. Mit Józef Piłsudski und Roman Dmowski waren dort die Gründerväter der zwei wichtigsten politischen Lager in der Zwischenkriegszeit und Vorbilder in vielen Lebensbereichen – bis heute.

Im Museum

Zelle im X. Pavillon der Warschauer Zitadelle / Walking Poland on flickr [CC BY-SA 2.0]

Zu Beginn kann man die Zitadelle in Miniaturform begutachten. Anschließend geht der Gast durch die Gefängnisgänge. Links und rechts befinden sich die Zellen, an deren Eingängen Namensschilder berühmter Insassen hängen. Die Zellen wurden so hergerichtet, wie sie in Zeiten der Unterdrückung tatsächlich ausgesehen haben mögen. Ergänzend wurden kurze Biographien ausgestellt, um die Hintergründe ihrer Gefangennahme zu verstehen.

Im zweiten Teil hängen Malereien von Aleksander Sochaczewski, der ebenfalls Gefangener im X. Pawilon war  und zu den sogenannten „Sybiraks“ gehört, da er in Sibirien seine Strafe verbüßen musste. Die Malereien sind voller Grauen und Trauer und zeigen das wahre Antlitz der russischen Herrschaft in Polen im 19. Jahrhundert ohne überintellektualisierte Analysen und unnötige Relativierungen.

Außerhalb des Museums

zitadelle-warschau
Außerhalb des X. Pavillons der Warschauer Zitadelle / Walking Poland on flickr [CC BY-SA 2.0]

Mit der innerräumlichen Ausstellung im engen Zusammenhang stehen die Denkmäler außerhalb des Museumsgebäudes. Der Hinrichtungs-Weg führt Sie zum Hinrichtungstor, an welchem die Gefangenen hingerichtet wurden. In unmittelbarer Nähe befinden sich Gräber der Freiheitskämpfer von 1863 und 1905/1907.

Warum sollte man das Museum besuchen?

Jedes Museum hat eine Aufklärungs- und Bildungspflicht. Beide werden hier erfüllt. Es ist sicherlich kein Museum, welches vor Optimismus strotzt und dennoch lohnt es sich auch hier mal vorbeizuschauen. Die polnische Geschichte und die polnische Seele können Sie nur verstehen, wenn Sie alle Aspekte unserer 1000-jährigen Geschichte kennenlernen. Warum hat Jaroslaw Kaczynski mit seiner Partei Recht und Gerechtigkeit die Parlamentswahlen 2015 gewonnen und führt sich auf wie ein Möchtegern-Diktator? Warum wählt der Osten Polens „rechts“ und der Westen Polens „links“? Wieso hat die Romantik in Polen so viele Anhänger und was hat das alles mit diesem Gefängnis zu tun? Das sind nicht die einfachsten Fragen, die es zu beantworten gilt. Sie können nun Vermutungen in deutschen Medien nachlesen und eine Antwort suchen oder gleich vor Ort die Wahrheit herausfinden. Wenn man über Polen schreibt und dafür die Ereignisse der letzten Monate und Jahre heranzieht, der hat leider nichts verstanden. Das schlimmste dabei ist: er hat noch nicht einmal versucht es zu verstehen!

Schauen Sie sich also nicht nur das Chopin-Museum oder das Museum der Geschichte der Polnischen Juden an. Auch der X. Pawilon, das Katyn-Museum oder das Museum der Polnischen Armee liefern viele aufschlußreiche Informationen über unser andersartiges Dasein im gemeinsamen Europa.

Touristische Informationen*

Thema der Ausstellung Gefängniszellen für die Aufständischen und Revolutionäre, Freiheitskämpfe im 19. Jahrhundert, Russische Hoheit über polnische Ländereien
 Adresse  Ulica Skazancow 25, 01-532 Warschau  (Karte)
 Internetseite http;//muzeum-niepodleglosci.pl/aktualnosci-xpawilon/ – PL
 Telefon (Rezeption)  +48 22 839 12 68
 Email  –
 Öffnungszeiten
  • Montag + Dienstag geschlossen
  • Mittwoch – Sonntag 10:00 – 17:00
  • Letzter Einlaß bis 15:30
 Eintrittspreise
  • Normal 10 PLN
  • Mit Ermäßigung 5 PLN
  • Donnerstags freier Eintritt
 Audioguide  Nein
 Hauseigene Museumsführer  Auf Polnisch

  • 60 PLN
 Führung mit einem Stadtführer?  Empfehlenswert
 Anreise vom Kreisverkehr „Centrum“  Stadtplan mit Wegbeschreibung
 Anreise von der Altstadt  Stadtplan mit Wegbeschreibung
 Öffentliche Verkehrsmittel in  Warschau – eine Übersicht Zum Beitrag >
 Entfernung

  • Zum Kreisverkehr „Centrum“
  • Zur Altstadt
In Kilometern

  • 6,5 km
  • 3,0 km
 Besichtigungsdauer  45 – 60 Minuten
 Sprache der Beschreibungen  Polnisch
 Zahlungsmethoden  Barzahlung
 Reservierung (Online)  Nicht nötig
 Besonderheiten  –
 Mein letzter Besuch  September 2016

*Angaben stammen zum Teil vom Internetauftritt des Museumsbetreibers und sind daher ohne Gewähr

Bei Fragen und Anmerkungen …

… benutzen Sie bitte das Kontaktformular oder hinterlassen eine Nachricht in der Kommentarfunktion (unten). 


Beitragsbild: X. Pavillon der Warschauer Zitadelle / Adrian Grycuk on wikimedia [CC BY-SA 3.0] 

 

Print Friendly, PDF & Email

Veröffentlicht von

Antoni Wladyka

Antoni Wladyka ist seit 2013 lizenzierter Stadtführer in Warschau und Thorn, Deutschlehrer an Privatschulen, Journalist und Hobbyfotograf. Nach seinem Jurastudium an der Universität Bielefeld zog er nach Polen, wo er nun lebt und arbeitet.

Kommentar verfassen