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Altstädtisches Rathaus in Thorn

Eine Perle der gothischen Baukunst

rathaus-thorn-torun < Foto: Antoni Wladyka

Mitten auf dem altstädtischen Marktplatz steht ein nicht nur imposantes Gebäude, sondern auch ein Meisterstück der gothischen Baukunst. Es war nicht nur ein Arbeitsplatz für die Ratsabgeordneten. Hier wurde Handel getrieben, Recht gesprochen, auf Richtigkeit gewogen, Bier und Wein getrunken sowie ins Gefängnis geworfen und in der Schatzkammer Geld und Gold gezählt.

Mein Faszination kommt nicht von ungefähr – dieses Rathaus ist in Europa einzigartig und stellt in der gothischen Architektur eines der höchsten Errungeschaften dar.

Der Ursprung

Ein solches Prachtstück entstand nicht sofort. Die lose herumstehenden älteren Gebäude aus der Mitte des 13. Jahrhunderts wurden gegen Ende des 14. Jahrhunderts zu einem einheitlichen einstöckigen Komplex zusammengefügt. Der Turm, den man noch heute bewundern kann und welcher anfangs noch einsam daneben stand, ist seither das Merkmal der Thorner Größe und Macht.

Der Krieg kennt keine Gnade

Thorn hat viele Kriege in seiner langjährigen Geschichte gesehen. Niicht immer kam die Stadt und seine Gebäude glimpflich davon. So musste auch das Rathaus dran glauben. 1703 brannte es ab, konnte jedoch wiedererbaut werden. Selbstverständlich gab es auch zahlreiche architektonische Anpassungen. Dennoch hat das Rathaus den Charme der gothischen Zeit verloren.

Bis heute

So steht es da, bis heute. Weder die beiden Weltkriege noch die unerfreuliche Zeit danach konnten dem Rathaus Schaden zufügen. Wenn Sie also hineingehen, dann stellen Sie sich nur vor, dass Sie von fast 800 Jahre Geschichte umgeben werden. Eine lange Zeit, welche vor allem in Thorn spürbar wird.

So empfand auch der polnische König Jan Olbracht (1459-1501), welcher hier verstarb. Sein Leichnam fand traditionsgemäß auf den Wawelberg in Krakau seine letzte Ruhstätte, sein Herz ruht jedoch in der Kirche des Hl. Johannes in Thorn. 

Diese außergewöhnliche Aura nutzten auch Vertreter verschiedener Relgionen, um hier 1645 das berühmte Colloquium Charitativum abzuhalten. Dieses sogenannte Brüderliche Gespräch führte zu einer positiven Einigung.

1861 war das Rathaus ein deutsches Museum, ab 1920 ein Polnisches. In unmittelbarer Nähe zum Haupteingang zum Rathaus steht das Nikolaus-Kopernikus-Denkmal.

Der Turm symbolisiert Ein Jahr

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Foto: Antoni Wladyka >

Einer Legende nach symbolisiert der auffälige Turm über dem Rathaus Ein Jahr. Alle architektonischen Elemente werden dabei kalendarisch gedeutet: die 4 kleinen Türmchen in jeder Ecke des Turms entsprechen den 4 Jahreszeiten; die 52 Säle entsprechen den 52 Kalenderwochen; 365 Fenster stehen für die 365 Tage eines Jahres – und sogar für das Schaltjahr hat der Maurer eine Lösung gefunden. Man hatte im Mauerwerk schlicht eine Öffnung mehr, die  nach Ablauf des 366. Tages zugemauert wurde.

 

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Veröffentlicht von

Antoni Wladyka

Antoni Wladyka ist seit 2013 lizenzierter Stadtführer in Warschau und Thorn, Deutschlehrer an Privatschulen, Journalist und Hobbyfotograf. Nach seinem Jurastudium an der Universität Bielefeld zog er nach Polen, wo er nun lebt und arbeitet.

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